Wankdorfcity 3

Bern, selektiver Wettbewerb 2021, Projekt / Realisierung 2022-2029
Die Entwicklung Wankdorfcity 3 markiert einen Richtungswechsel im Norden von Bern. Bis 2020 entstanden zwischen Autobahn undGleisen mit WankdorfCity 1 und 2 zwei gewerblich geprägte Etappen. Die dritte und letzte Etappe antwortet auf deren Monofunktionalität mit einem dichten Stadtteil für Wohnen, Arbeiten, Versorgung und Begegnung.
 
Vom Schlachthof zum Stadtquartier
Seit 1914 war das Areal Standort des städtischen Schlachthofs. Nach dessen Stilllegung 2006 folgten bis 2017 Zwischennutzungen mit Gewerbe, Musikstudio, Konzerthalle, Architekturbüros, Gärten und studentischem Wohnen. Diese programmatische Offenheit wird in Wankdorfcity 3 zur Ausgangslage: Als Teil des kantonalen Entwicklungsschwerpunkts Wankdorf verbindet die dritte Etappe zentrale Lage mit einer gemischten urbanen Lebensform.
Luftbild Wankdorfcity; Bis 2020 entstanden zwischen Autobahn und Gleisen mit Wankdorfcity 1 und 2 zwei gewerblich geprägte Etappen. Bis 2029 entsteht Wankdorfcity 3 einer dichten Stadtteil für Wohnen, Arbeiten, Versorgung und Begegnung., Quelle: zvg / Immofonds

Luftbild Wankdorfcity; Bis 2020 entstanden zwischen Autobahn und Gleisen mit Wankdorfcity 1 und 2 zwei gewerblich geprägte Etappen. Bis 2029 entsteht Wankdorfcity 3 einer dichten Stadtteil für Wohnen, Arbeiten, Versorgung und Begegnung.

Quelle: zvg / Immofonds

Die gestapelte Stadt - von der Testplanung zum Richtkonzept
Den Ausgangspunkt für die Entwicklung von Wankdorfcity 3 bildete die Testplanung von 2019 bis 2020. Drei interdisziplinäre Teams untersuchten Entwicklungsansätze und formulierten Leitplanken für Dichte, Freiraum, Nutzung und Wohnformen. Auf dieser Grundlage erarbeitete das Team um Rolf Mühlethaler Architekten den Entwicklungsplan 3 und das städtebauliche Richtkonzept. Shedhalle, Betonbau und Kranbahn blieben erhalten. Ein hochverdichtetes Ensemble ergänzt sie mit öffentlichen Gassen, Plätzen, Terrassen und vertikalen Verbindungen. Urbanität wird hier nicht bloss als Menge, sondern als Zugänglichkeit und Austausch verstanden. Aus dem Entwicklungsplan, der Vision und den Planungsleitsätzen entstand die Leitidee Der gestapelten Stadt. 

Visualisierung; Entwicklungsplan 3 vom Team um Rolf Mühlethaler Architekten, auf der Grundlage der Testplanung 2019-2020. Ein hochverdichtetes Ensemble ergänzt sie mit öffentlichen Gassen, Plätzen, Terrassen und vertikalen Verbindungen. Aus dem Entwicklungsplan, der Vision und den Planungsleitsätzen entstand die Leitidee Der gestapelten Stadt., Rolf Mühlethaler Architekt

Visualisierung; Entwicklungsplan 3 vom Team um Rolf Mühlethaler Architekten, auf der Grundlage der Testplanung 2019-2020. Ein hochverdichtetes Ensemble ergänzt sie mit öffentlichen Gassen, Plätzen, Terrassen und vertikalen Verbindungen. Aus dem Entwicklungsplan, der Vision und den Planungsleitsätzen entstand die Leitidee Der gestapelten Stadt.

Rolf Mühlethaler Architekt

Wettbewerb 2022
Das 2021 abgeschlossene Richtprojekt wurde zum Qualitätsmassstab des anschliessenden Wettbewerbs. Aus zwölf Beiträgen wurden 2022 vier Teams zur Weiterbearbeitung und Projektierung ausgewählt, darunter E2A Piet Eckert und Wim Eckert Architekten mit «This is the next to that». E2A formulierte für die gestapelte Stadt zehn Regeln. Sie sollten die zuvor collageartig entwickelte räumliche Idee in eine nachvollziehbare Logik und ein überprüfbares Leistungsprofil überführen. Räumliche Nähe, differenzierte Massstäbe, öffentliche Sockel, Terrassen und Brücken sowie Retentionsflächen werden dabei zu einem System verbunden. Dichte wird zum Motor einer Vielfalt, die sich nicht allein wirtschaftlich, sondern auch sozial und atmosphärisch begründet. Auf beschränkter Fläche entsteht so eine gestapelte Stadt, die jene Qualitäten vereint, die eine Stadt lebenswert machen.

 

 

Modell; Entwicklungsplan Wankdorfcity 3, Bild: E2A

Modell; Entwicklungsplan Wankdorfcity 3

Bild: E2A
Gesamtmodell Silhouette; Wankdorfcity 3

Gesamtmodell Silhouette; Wankdorfcity 3

E2A: 10 Regeln für die gestapelte Stadt

1. Fluchten brechen
Die Stadträume verzahnen sich durch Rücksprüche, Nischen und sind bewusst nicht gegenseitig gefluchtet. Der öffentliche Räum erhält so Vorzonen, die direkt von den Nutzungen im Erdgeschoss besetzt werden kann.

2. Nähe nutzen
Die Stadträume werden durch eine physisch und atmosphärische Nähe zu einander gebildet. Trotz der teilweisen grossen Gebäudehöhe werden die Abstände zu einander auf ein Minimum definiert. Die Dichte wird so physisch und emotional erfahrbar.

3. Komposition vervielfachen
Nutzungseinheiten werden volumetrisch voneinander abgesetzt. Grosse Gebäude werden so in kleinere Einheiten unterteilt. Diese versetzen sich räumlich zueinander und bilden Auskragungen oder Rücksprünge, die als differenzierte Aufenthaltsflächen genutzt werden.

4. Sockel öffentlich prägen
Die Sockelnutzungen werden öffentlich und beziehen den direkt angrenzenden Aussenraum mit ein. Sie setzen sich gezielt von dem emporragenden Volumen ab und bilden in den Stadtboden hineinragende Terrassen.

5. Kronen bilden
Hochpunkte enden mit besonders geformten Abschlüssen, die als Kronen hoher Häuser wirken und im Kontext des ganzen Ensembles wirken. Kronen fungieren auch als eine Form von Eigenheit, im Grossen das Individuelle, das Singuläre zu thematisieren.

6. Verbindungen bauen
Zwischen Bauten werden Brücken und Verbindungsräume vorgesehen. Sie ermöglichen ein Verbinden und Anschliessen von Flächen in der Horizontalen.

7. Pavillons akzentuieren
Pavillons konterkarieren den Massstab der grossen Häuser. Sie werden auf der Stadtebene und auf der Ebene 30 Meter über Boden eingesetzt um besondere Infrastrukturen und Nutzungsformen anzubieten.

8. Diversifikation erleben
Hohe Dichte soll räumlich erfahrbar, als Aktivität nutzbar, und hinsichtlich einer Nutzungsdiversifikation als Katalysator agieren. Mit kompensatorischen Mitteln kann weniges, ertragsschwaches mit Nutzungen grosser Flächenhebel quergerechnet werden. Dichte wird so zum Motor einer Diversifikationsidee, die nicht immer gleich ertragsstark sein muss.

9. Nachhaltigkeit landschaftlich nutzen
Die Massnahmen zur Nachhaltigkeit sollen nicht nur technischer, struktureller und materieller Art sein, sondern aktiv auch als landschaftliche, vegetative Qualität erfahrbar werden. Die vielfältigen Staffelungen und Rücksprünge ermöglichen Terrassen als Retensionsflächen auszubilden, was landschaftliche Oberflächen und Gärten in der Höhe ermöglichen. Der Umgang mit Meteorwasser trägt hier aktiv zur Erhöhung der Biodiversität bei.

10. Gemeinschaft differenzieren
Hohe Dichte impliziert ein differenzierter Umgang mit Gemeinschaft und Erholung. Entscheidend ist, die unterschiedlichen Nutzungen hinsichtlich ihrer Bedürfnisse an Freiräumen, Erholungszonen, Rückzugsebenen vielfältig und mit unterschiedlich öffentlichen und gemeinschaftlichen Räumen zu versorgen. Hier gilt «Mehr ist Mehr», um der Unmittelbarkeit von Nähe und Dichte eine Qualität zu vermitteln.

Gesamtmodell Wankdorfcity 3 (Phase: Wettbewerb), Bild: E2A

Gesamtmodell Wankdorfcity 3 (Phase: Wettbewerb)

Bild: E2A

This is not just this-next-to-that, it enters into a relationship with that, touching makes the relation manifest. – The manifest relation this-next-to-that is a connection. – A connection is a methodically executed / merging of this and that. – The visible an tangible result of the merging of this-that is a construction . – The this-that construction is / the solidified plan of this/ to touch that.

Dick Raaijmakers, de methode, 1985

Gesamtmodell Stadtgarten-Terrasse (Phase: Wettbewerb), Bild: E2A

Gesamtmodell Stadtgarten-Terrasse (Phase: Wettbewerb)

Bild: E2A
Strukturmodell B6-B7-B8 (Phase: Wettbewerb), Bild: E2A

Strukturmodell B6-B7-B8 (Phase: Wettbewerb)

Bild: E2A

Wohnen, Arbeiten und Alltag
Das Programm umfasste 7 Wohngebäude mit 490 Mietwohnungen mit Tiny Houses, Cluster- und Familienwohnungen, Maisonettes, Micro-Living, Townhouses und Penthouses. Gemeinschaftsterrassen, acht Gästezimmer sowie gemeinschaftlich nutzbare Arbeits-, Fitness- und Aufenthaltsräume ergänzen die Wohnungen. Läden, Gastronomie, Praxen und Büro- und Gewerberäume verankern das Quartier im Alltag. Ein Supermarkt und Gewerbeflächen von 75 bis 1'000 Quadratmetern erweitern das Angebot; für Büros stehen 1'000 bis 10'000 Quadratmeter zur Verfügung. Bis 2029 sollen rund 1'100 Bewohner:innen und etwa 1'500 Arbeitsplätze Raum finden.

Blick auf die Baufelder 6, 7, 8 (Phase: Wettbewerb), Bild: E2A

Blick auf die Baufelder 6, 7, 8 (Phase: Wettbewerb)

Bild: E2A

Werkstatt Wankdorfcity3: Kollaborative Zusammenarbeit
Die «Werkstatt Wankdorfcity 3» führte den kollaborativen Planungsansatz fort. Das Vor- und Bauprojekt wurde nicht von einem einzelnen Büro, sondern in gemeinsamer Autorenschaft entwickelt: als koordinierte Zusammenarbeit mehrerer Architektur- und Fachplanungspartner. Ein Begleitgremium aus externen Fachleuten sowie Vertreterinnen und Vertretern der Stadt Bern, der Burgergemeinde Bern und des Quartiers war Teil der Werkstatt und begleitete das Projekt über die Planung hinweg.
An der Werkstatt Wankdorfcity 3 beteiligt waren die vier im Projektwettbewerb ausgewählten Architekturbüros – Bauart Architekten und Planer AG, Bob Gysin Partner (BGP) Architekten, E2A Piet Eckert und Wim Eckert Architekten AG sowie Meili, Peter & Partner Architekten AG – zusammen mit der Bauherrin IMMOFONDS, Rolf Mühlethaler Architekten, Maurus Schifferli Landschaftsarchitekten, S+B Baumanagement AG als Generalplanerin und HRS Real Estate AG als Realisierungspartnerin.
 

 

Kollaborativen Zusammenarbeit «Werkstatt Wankdorfcity 3»: Das Vor- und Bauprojekt und Bauprojekt wurde in koordinierte Zusammenarbeit mehrerer Architektur- und Fachplanungspartner entwickelt. Ein Begleitgremium aus externen Fachleuten sowie Vertreterinnen und Vertretern der Stadt Bern, der Burgergemeinde Bern und des Quartiers war Teil der Werkstatt und begleitete das Projekt über die Planung hinweg.

Kollaborativen Zusammenarbeit «Werkstatt Wankdorfcity 3»: Das Vor- und Bauprojekt und Bauprojekt wurde in koordinierte Zusammenarbeit mehrerer Architektur- und Fachplanungspartner entwickelt. Ein Begleitgremium aus externen Fachleuten sowie Vertreterinnen und Vertretern der Stadt Bern, der Burgergemeinde Bern und des Quartiers war Teil der Werkstatt und begleitete das Projekt über die Planung hinweg.

Strukturmodell Baufeld 6

Strukturmodell Baufeld 6

Axonometrien Baufeld 6

Axonometrien Baufeld 6

Volumenmodell Baufeld 6

Volumenmodell Baufeld 6

Volumenmodell Baufeld 6

Volumenmodell Baufeld 6

Ansicht Süd, Baufeld 6

Ansicht Süd, Baufeld 6

Detail Modell 1:200, Foto: Jon Naiman

Detail Modell 1:200

Foto: Jon Naiman
Terrasse Baufeld 6; links Wohnturm, rechts Townhouses

Terrasse Baufeld 6; links Wohnturm, rechts Townhouses

Wohnung Town House, Baufeld 6

Wohnung Town House, Baufeld 6

Loft Annexturm, Baufeld 6

Loft Annexturm, Baufeld 6

Ansicht Terrasse; Town House / Wohnturm

Ansicht Terrasse; Town House / Wohnturm

Wankdorfcity 3

2029
2021
Rangiert mit Empfehlung zur Weiterbearbeitung
Adresse

Stauffacherstrasse 130 A
3014 Bern
Switzerland

Auftraggeber
Immofonds Asset Management AG, Zürich
Realization
2026
2029
Team
Piet Eckert, Wim Eckert, Alexander Struck, Lucas Reif, Asiya Sharipova, Magdalena Baluta, Aidas Cergelis, Sebastjan Cvelbar, Elzbieta Komendacka, Félix Mayaux, Antonio Mazzolai, Bojana Miskeljin, Federico Pellegrini, Sara Pellegrini, Niklas Pflieger, Edoardo Romani, Alicja Stefaniak, Alvaro Vilanova, Lukasz Wlodarczyk, Shiping Zhou
Fachplaner

Architektur Baufeld 6: E2A Piet Eckert und Wim Eckert Architekten AG
Bauherrenvertretung: Kontur Projektmanagement AG, Bern
Realisierungspartner: HRS Real Estate AG, Frauenfeld
Bauingenieur Hoch- / Tiefbau: Ribi + Blum AG, Romanshorn
Fassadenplanung: NM Fassadentechnik AG, Basel
HLKSE-Planung: Amstein + Walthert Basel AG, Basel
Brandschutzplanung: Wälchli Architekten Partner AG, Bern
PV-Planung: Amstein + Walthert Basel AG, Basel
Bauphysik: Zeugin Bauberatungen AG, Münsingen
Nachhaltigkeit: Amstein + Walthert Basel AG, Basel
Landschaft: Maurus Schifferli, Landschaftsarchitekten AG, Bern
Umweltingenieur: B+S AG, Bern
Sozialraumplanung: Urban Psychology GmbH, Zürich
Lärmgutachten: Ingenieurbüro Andreas Suter, Thalwil

Wettbewerb 2022:
Bauingenieur: Lüchinger Meyer Partner AG, Zürich
Bauphysik: Kopitsis Bauphysik AG, Wohlen
Nachhaltigkeit: Durable Planung und Beratung GmbH, Zürich
Brandschutz: GRP Ingenieure AG, Rotkreuz