Offene Werkstatt Redaktion

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Wettbewerb: Ein neues Haus für die taz, Teil 2

Mirco Lomoth

Die tageszeitung baut an ihrer Zukunft. Der bisherige Standort an der Rudi-Dutschke-Straße ist für die rund 250 Mitarbeiter von Redaktion und Verlag zu eng geworden. Für das neue Haus, das 450 Meter südlich im Berliner Zeitungsviertel errichtet werden soll, lobte die taz einen nichtoffenen Wettbewerb aus (competition berichtete, siehe Ausgabe 8, Seite 28). Die Gewinner, E2A Architekten aus Zürich, schlagen ein  transparentes Gebäude vor, das durch einen stützenfreien Grundriss vielfaltige Formen der Zusammenarbeit ermöglicht. Zwei zweite Plätze gingen an die Arbeitsgemeinschaft MARS Architekten und Architekturbüro Creutzfeldt aus Berlin sowie an heneghan peng architects aus Dublin und Berlin.
 
Es ist ein passendes Bild, das E2A Architekten für das neue Haus der taz in Berlin vorschlagen. Die markante, vor die Glashaut gesetzte Netzstruktur ist ein Zitat des Schabolowka-Radioturms in Moskau. Der russische Konstrukteur Wladimir G. Schuchow erbaute das Meisterwerk der Ingenieurbaukunst Anfang der 1920er Jahre als Symbol für die aufstrebende Sowjetunion, seine hyperbolische Gitterstruktur gilt als Sinnbild für ein unhierarchisches Tragsystem. Piet und Wim Eckert treffen damit das Selbstverständnis der linken Tageszeitung: „Die Fassade spiegelt die Struktur der taz wider“, sagt Chefredakteurin Ines Pohl. „Alle Elemente zusammen tragen das Ganze und schaffen einen unabhängigen Freiraum, der uns Luft zum Denken und Platz zum Arbeiten gibt.“
 

Konstruktivismus statt Glamour

Statt Glamour oder schlichter Büroarchitektur bekommt die taz russischen Konstruktivismus, Transparenz und rohe Materialien, die dem zukünftigen Verlags- und Redaktionsgebäude einen Werkstattcharakter verleihen sollen. Die aussteifende Netzstruktur der Fassade erlaubt innen stützenlose Großräumigkeit, die eine frei gestaltbare Arbeitsorganisation möglich macht. „Wenn wir den konventionellen Weg gegangen wären, mit Zellenbüros und kleinen Open-Space-Flächen, die sich um einen Gebäudekern herum organisieren, hätten wir der taz den Spielraum verweigert, den sie sich wünscht“, sagt Piet Eckert. Eine hohe Flexibilität war der taz besonders wichtig, um auf künftige Veränderungen der Branche reagieren zu können. „Als Medienbetrieb befinden wir uns in einer wahnsinnigen Transformationsphase, alles ändert sich ständig“, erklärt taz-Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch.