Körper und Schichten

Körper und Schichten

Modellstudien von E2A bei Aedes in Berlin

Claudia Wilke

Für Mies van der Rohe war Baukunst „immer der räumliche Ausdruck geistiger Entscheidung“. Während der Planung eines Gebäudes müssen unendlich viele Entscheidungen getroffen werden. Sie bauen aufeinander auf, ergänzen sich oder können in einem scheinbar unvereinbaren Gegensatz zueinander stehen. Die Fülle der Entscheidungen formt das große Ganze, kann aber bisweilen auch den Blick auf den Kerngedanken eines Entwurfs verstellen. Diesem Spannungsfeld widmet sich die Ausstellung „Körper und Schichten“ von E2A im Architekturforum Aedes in Berlin. Im Mittelpunkt stehen zwölf Arbeiten des Zürcher Büros – Projekte zu Bildungs- und Kulturbauten, die in den vergangenen vier Jahren vorwiegend aus Wettbewerbsbeteiligungen in der Schweiz und Deutschland hervorgegangen sind.

Der besondere Reiz der Ausstellung liegt in ihrem Purismus. Die große Halle bei Aedes ist ganz in Weiß gehalten. Von der Decke hängende, annähernd raumhohe Fahnen informieren über die Projekte und sind zugleich Raumteiler, die den Besucher veranlassen, sich auf mäandernden Pfaden durch den Raum zu bewegen. So ergeben sich immer wieder neue Perspektiven auf die Hauptdarsteller der Schau: die schneeweißen Modelle. Sie werden von Strahlern so geschickt beleuchtet, dass das Spiel aus Licht und Schatten ihnen enorme Plastizität verleiht.

Modelle sind für Piet und Wim Eckert ein unverzichtbares Handwerkszeug. Als „dreidimensionale Skizzen“ erzeugen sie einen ersten haptischen Eindruck von der Komplexität eines Gebäudes. Andererseits stellen sie aber auch eine bewusste Vereinfachung der Realität dar. Wie eine Röntgenaufnahme oder ein Ganzkörper-Scan bilden sie die Essenz eines Konzepts ab. Das kann einmal die raumbildende Form sein, so beim Kunsthaus Zürich, das seine markante Gestalt durch die dreifach gekerbte Dachlandschaft erhält, die diagonal zur Gebäudeachse verläuft.